Fury in the Slaughterhouse über Empathie, Zusammenhalt und Musik

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Christof Stein-Schneider und Kai Wingenfelder

Fast vier Jahrzehnte nach der Gründung von Fury in the Slaughterhouse könnten Kai Wingenfelder und Christof Stein-Schneider problemlos nur über Musik sprechen. Über ausverkaufte Hallen, erfolgreiche Alben oder die Rückkehr der Vinylplatte. Stattdessen kreist das Gespräch immer wieder um etwas anderes: den Zustand unserer Gesellschaft. Um den Verlust von Zusammenhalt, den Wert von Bildung und die Frage, warum aus einem immer stärkeren Ich wieder ein Wir werden muss.

Veränderungen beginnen nicht auf der Bühne

Passender könnte der Titel ihres neuen Albums kaum sein. „Changes“ beschreibt für die beiden Musiker nicht nur Veränderungen innerhalb einer Band, sondern vor allem eine Welt, die sich rasant verändert – politisch, gesellschaftlich und technologisch. „Wir werden nichts an dieser Welt verändern, wenn wir nicht anfangen, diesen Ich-Modus in einen Wir-Modus umzuschalten“, sagt Kai Wingenfelder. Für ihn beginnt gesellschaftlicher Wandel nicht bei großen politischen Programmen, sondern im Alltag: dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen und wieder lernen, Gemeinschaft als Stärke zu begreifen.

Christof Stein-Schneider sieht darin ein menschliches Grundbedürfnis. „Wir brauchen die Horde. Wir brauchen Menschlichkeit, Mitgefühl und Solidarität“, sagt er. Glück entstehe nicht durch Konsum oder materiellen Wohlstand, sondern dadurch, anderen zu helfen. Gerade deshalb blickt er mit Sorge auf eine Gesellschaft, die immer stärker von sozialer Isolation, digitalem Medienkonsum und wachsender Polarisierung geprägt ist. Gleichzeitig bleibt er optimistisch. Veränderungen seien möglich – nicht durch große Gesten, sondern durch viele kleine Entscheidungen im Alltag. Freundlicher sein. Zuhören. Verantwortung übernehmen.

Warum Fury heute gelassener klingt

Diese Haltung zieht sich auch durch die Geschichte der Band selbst. Nach der Trennung im Jahr 2008 brauchte es fast ein Jahrzehnt Abstand, bis Fury in the Slaughterhouse wieder zusammenfanden. Erst dann wurde den Musikern bewusst, welchen Wert diese gemeinsame Geschichte eigentlich hatte. Heute gehe es längst nicht mehr um Charts oder Verkaufszahlen, sondern darum, gemeinsam Musik zu machen, die etwas erzählt und Menschen verbindet. Sich ständig neu erfinden zu wollen, sei nie ihr Anspruch gewesen. Entscheidend sei vielmehr, authentisch zu bleiben und den eigenen Sound nicht dem Zeitgeist zu opfern.

Musik schafft Gemeinschaft

Vielleicht erklärt genau das, warum Fury heute wieder mehrere Generationen erreicht. Viele junge Fans kennen die Band zunächst über ihre Eltern. Auf den Konzerten entsteht daraus etwas, das in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens immer seltener geworden ist: ein Gefühl von Gemeinschaft. Für zwei Stunden spielt das Alter keine Rolle, ebenso wenig Herkunft oder politische Unterschiede. Menschen singen dieselben Lieder und teilen denselben Moment.

Am Ende bleibt deshalb weniger ein Gespräch über ein neues Album als eines über Verantwortung. Kai Wingenfelder und Christof Stein-Schneider sprechen über Demokratie, Bildung, soziale Medien, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Rolle von Kunst in einer Zeit permanenter Krisen. Musik, so ihre Überzeugung, könne die Welt nicht allein verändern. Sie könne Menschen aber daran erinnern, dass Veränderung immer dort beginnt, wo aus vielen Einzelnen wieder ein gemeinsames Wir entsteht.

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Daniel Fürg

Daniel Fürg ist so etwas wie der Barkeeper bei Gin And Talk. Er steht hinter dem Bartresen und führt die Gespräche mit den Gästen.

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