Freiheit ist ein großes Wort. Vielleicht gerade deshalb fällt es vielen Menschen schwer, ihren Wert wirklich zu begreifen. Wer nie ohne Freiheit gelebt hat, hält sie leicht für selbstverständlich. Für David Matei ist das anders. Sein Vater floh als junger Mann aus dem kommunistischen Rumänien und riskierte auf dem Weg in den Westen sein Leben. „Ich habe nicht verstanden, was Freiheit ist“, sagt Matei. „Aber ich habe den Wert verstanden, den mein Papa dieser Freiheit zugemessen hat.“ Diese Geschichte bildet den Ausgangspunkt seines Buches „Deutschland ist es wert“. Es ist kein Buch über die Bundeswehr, obwohl Matei 15 Jahre als Offizier diente. Vielmehr ist es ein Plädoyer dafür, den Blick auf Deutschland nicht nur von seinen Defiziten bestimmen zu lassen. Deutschland, so seine Beobachtung, sei hervorragend darin, Fehler zu finden – verliere dabei aber häufig aus dem Blick, was dieses Land trotz aller Probleme ausmacht. Seine Antwort darauf nennt Matei eine „Pflicht zur Zuversicht“: keine Schönfärberei, sondern die Überzeugung, dass Verantwortung für ein Land nur dort entstehen kann, wo Menschen auch erkennen, was sie an ihm haben.
Zwischen Wehrpflicht und Wir-Gefühl
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine hat sich das Verhältnis vieler Menschen zur Bundeswehr spürbar verändert. Aus dem jahrzehntelangen „freundlichen Desinteresse“ sei eine „interessierte Freundlichkeit“ geworden, sagt Matei. Gleichzeitig bleibe der Widerspruch bestehen, dass viele zwar eine verteidigungsfähige Bundeswehr befürworten, sich selbst aber kaum vorstellen können, Verantwortung zu übernehmen. Für ihn beginnt Verteidigungsbereitschaft deshalb lange vor Wehrpflicht oder Waffensystemen. Sie beginnt mit einer emotionalen Bindung an das eigene Land – etwas, womit sich Deutschland bis heute schwertut. Während Lokalpatriotismus selbstverständlich erscheine, würden Begriffe wie Patriotismus oder Stolz auf Deutschland oft sofort politisch eingeordnet. Matei selbst spricht deshalb lieber von Dankbarkeit als von Stolz. Demokratie, so seine Überzeugung, sei kein „Lieferservice“, der einfach funktioniere, sondern ein Gemeinwesen, das vom Engagement seiner Bürger lebt.
Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit
Auch der Blick auf künstliche Intelligenz, autonome Waffensysteme und die sicherheitspolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre führt für Matei immer wieder zur gleichen Grundfrage: Wie verteidigt eine Demokratie ihre Freiheit, ohne ihre eigenen Werte aufzugeben? Eindeutige Antworten gebe es darauf nicht. Klar sei für ihn nur, dass Sicherheit keine Selbstverständlichkeit mehr sei. „Sicherheit ist nicht alles, aber alles ist irgendwie nichts ohne Sicherheit“, sagt er. Frieden bleibe das Ziel – doch Frieden allein garantiere noch keine Freiheit.
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